Urlaub oder kein Urlaub....

das ist doch immer die Frage, oder? Meist stellt sie sich aber in der Planung und nicht in der Durchführung. Wenn aber die Vorstellungen darüber derart divergieren und man eh nur 5 Tage inkl An- und Abreise zur Verfügung hat, ziehen halt mal Gewitterwolken auf. Hier auch tatsächlich, was das Stranderlebnis für Barbara doch empfindlich eintrübte. Man muss auch sagen, die Urlaubsplanung fiel heuer echt beschissen aus, Jessie wollten wir nach oder trotz letztjährigem Strandurlaub keine weiteren Autofahrten mehr antun, daher waren die paar Tage quasi sowas wie unser gemeinsamer Sommerurlaub. Und wenn der Göttergatte dann noch liegengebliebene Dinge an Bord fertigstellen will... Wolkenbruch.
Nun ja, ohne mich rechtfertigen zu wollen, aber musste irgendwie! Segel waren nicht da, Wassern und Auslaufen im September mit einer unerfahrenen Damencrew geplant, und dann noch der Diesel!

Wir kamen nach einem kleinen Besuch in einem der umliegenden, in der Vorsaison noch fast zu ruhigen Städtchen, doch relativ spät aufs Boot, Schlüssel zur Werft hatte ich ja behalten, sonst immer ein Thema, und obwohl ich in Voraussicht auf das Näschen der Gattin, das Boot im April auf Lüfterstellung hinterlassen habe, roch es doch ziemlich streng. Babs meinte nach Sprit, ich negierte das, im Nachhinein wohl aus: Zu müde um mich dem heute noch zu widmen.
Jedenfalls tat ich es mit einem "Altes Boot riecht so - morgen alles besser" ab. Um am nächsten Morgen nach gutem Schlafe festzustellen, dass dieser vielleicht nicht der Müdigkeit sondern tatsächlich der Dieseldämpfe geschuldet war.
Es hat sich nämlich auf mir NOCH unerklärliche Weise der Sitzpolster der Achterkabine komplett mit Diesel vollgesogen.

Da der Tank sowie der Einfüllstutzen aber schiffsmittig liegen und der Motor ebenfalls VOR der Achterkabine, konnte es einfach keine Leitung sein. Die Verfärbung und Verschmutzung des Pseudo-Teakdecks war mir zwar schon im April aufgefallen, ich habe sie aber auf die Parkposition unter den Bäumen (die wirklich viel Dreck machen) geschoben.
Eine genauere Betrachtung legte aber ziemlich schnell den Schluss nahe, dass der Dieseltank, den wir 2023 noch proper voll gemacht haben, damit sich ja kein Kondenswasser darin bildet, übergelaufen sein muss. Bis zur Reparatur des Mastschadens Anfang 2025 lag die Feeling Lost ja auf der anderen Seite der Werft, mit dem Tank im Norden. Jetzt aber knallte die Sonne jeden Tag voll auf den 420l fassenden Tank, der anscheinend so voll war, dass er das Entlüftungsventil wohl zum überlaufen nutzte.

Und obwohl es ja so Geschichten über Henry Amel und fehlende Kleiderhaken (wenn Henry dort einen Haken für sinnvoll empfunden hätte, wäre da einer! Zitatende) gibt, muss man sagen, dieses Überlaufventil, das ja eigentlich nur ein Entlüftungsventil ist, über der Lichte der Achterkabine anzubringen ist gelinde suboptimal. Jedenfalls frass sich der Treibstoff über Wochen und Monate durch die Fensterdichtung, nur um sich dann irgendeines schönen, besonders warmen April- oder Maitages 2026 in die Kabine zu ergießen. Harry hat ja noch in dieser genächtigt, vielleicht kam er deswegen so schwer aus den Federn?
Barbara hat sich den Frust über mich, Wetter. Urlaubsfrage (s.o.) die ersten 2 Tage dankenswerterweise vom Leib geputzt und das Schiff innen auf Hochglanz poliert. Die diversen Crews, von denen sie heuer leider keine sein wird (s.o. Planung) werden es ihr sehr danken! 

Ich nutzte das Schlechtwetter um den Radio einzubauen, den Plotter fix zu verkabeln und halt 100 andere Dinge.
Soweit ist die FL also eigentlich zum Auslaufen bereit, sie muss trotzdem noch 3 Monate warten. Das gibt wenigst der Werft die Zeit ihre Arbeiten endlich zu erledigen! Der Schaden an der Reeling ist ja noch immer von 3 Kilometer sichtbar, und das Türl geht auch nicht zu wegen des montierten Achterstags.

Aber was solls, ist ja nur ein Jahr seither vergangen! Ärger? Groll? Man wird gelassen... wenn so ein Schiff keine reinigende Wirkung auf die Seele hat...

Am letzten Nachmittag machten wir uns dann mit dem stinkenden Schaumstoffpolster zur Signora auf, die zu Voreigners Zeiten wohl die ganze Inneneinrichtung gepolstert und unsere Matratzen inkl. supermegahyper Mondschaumtopper gemacht hat. Sie sah sehr widerwillig in den Plastiksack und meinte sowas wie, da müsse sie wohl im Freien arbeiten... male di testa hab i no verstanden (Kopfweh also). 
Aber eigentlich war es wegen was anderem: Ich wollte, jetzt wo die Masten um die Wette strahlen, nicht mehr mit Leintüchern oder sogar Sonnenschirmen (hier nachlesen) herumschippern, sondern eine professionelle Beschattung. 
Ich dachte mir, ich zeig der Signora a paar Fotos und sie schickt wieder Ihren Mann los um Mass zu nehmen...Aber sie ist wohl mit seiner Genauigkeit nicht ganz zufrieden. Also nix da! 
Sie schickt mich schnurstracks in den Baumarkt, ich soll Noppenfolien anhalten und zuschneiden, sie kopiert dann diese Schnitte auf den sündteuren wasserabweisenden Stoff.
Gesagt getan, ich nötigte Barbara also auch noch die letzten Abendstunden ab und dazu mir dabei zu helfen. 
Das ging nun echt nicht allein. 

Müde und erschöpft mit Abholpizza ins Bett, nur um morgens am Heimweg zur Signora zu fahren und die Pläne derart umzuschmeißen, dass sie mir ein Keder auf ein billiges Probestück näht und ich kurzerhand jetzt im Juni nochmal 48h runterdüse um es gscheit zu machen. 

Dazu hat mir auch Fred mein Freund ein paar Fotos aus einer Bootsverkaufsplatform herausgesucht.
Expertise nicht zu übertreffen. 

 Barbara kam heuer leider wirklich zu kurz, wenigst gabs ein bissi Strand,
Romantik


und guten Fisch im Schnellrestaurant (auf IHREN Wunsch hin! sogar 2 Mal).

Bin schon gespannt, was mich also nächste Woche erwartet 

Bis dahin

Bernhard

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